Kameraarbeiten
Mondsüchtig & Nachtgeschichten

Mondsüchtig & Nachtgeschichten

Dokumentarfilme
75 Min. & 30 Min.
WDR/ARTE
2003

Team

Buch: Volker Anding
Günther Bäcker
Regie: Volker Anding
Kamera: Erik Sick
Ton: Franz Lindinger
Peter Trinks
Kameraequipment: Scopitone Film
Schnitt: Jan Kondziella
Online: Olaf Klein
Produktion: Günther Bäcker Filmproduktion
Produzenten: Volker Anding
Günther Bäcker
Auftraggeber: WDR/ARTE

Dreharbeiten:
August bis Dezember 2003 in Deutschland & Frankreich

Sendetermin:
ARTE Themenabend "Schlafwandeln"
Am 02.02.2004 ab 20.40 Uhr

Schon seit Jahrhunderten glaubt man, dass Schlafwandler "mondsüchtig" sind. Vom Vollmond magisch angezogen und völlig wehrlos, setzen sie sich in Bewegung. Wer einmal einen Schlafwandler in Aktion gesehen hat, wird diese bizarre Erfahrung nie vergessen. Ein vertrauter Mensch, der plötzlich nicht mehr ansprechbar ist; der umherwandert, als sei er von einer unbekannten Kraft gesteuert. Wenn Schlafwandler nur ein wenig im Zimmer auf und ab gehen würden, dann wäre das vielleicht nicht weiter der Rede wert. Aber dabei bleibt selten!.

Sie essen nachts ihren Kühlschrank bis auf den letzten Krümel leer. Sie verlassen ihr Haus oder ihre Wohnung und finden sich halbnackt auf der Straße wieder - ohne Haustürschlüssel, versteht sich. Sie stürzen sich aus Fenstern, von Balkons und Klippen. Und einige Somnambule standen bereits vor Gericht - wegen Mord.

Was ist dran an den Gemeinplätzen und Klischees über Schlafwandler? Was sind die bevorzugten Handlungen von Schlafwandlern? Was geschieht mit uns, wenn wir schlafen? Wenn wir die Fähigkeit verlieren, uns selbst bewußt zu kontrollieren? Was steuert dann unseren Körper, unser Hirn, unsere Gefühle?

Der Film begleitet drei Schlafwandler für eine Nacht ins Schlaflabor. Thomas ist mit 15 Jahren aus dem Fenster gesprungen und nimmt seitdem ein Medikament, das sein Schlafwandeln unterdrückt. Hat sich sein Schlafprofil wieder normalisiert? Christina wandelt seit drei Monaten praktisch jede Nacht. Wie kann der Arzt diese Attacken stoppen, die plötzlich aus dem Nichts auftauchten? Lena stürzte mit 13 Jahren aus dem dritten Stock und versuchte zehn Jahre lang, das Thema Schlafwandeln zu verdrängen - vergeblich. Jetzt stellt sie sich ihrem Problem und sucht einen Experten auf.

Neben den Fallstudien gibt der Film Aufschluss über den aktuellen Wissensstand zu diesem Phänomen. Die in der Dokumentation auftretenden Schlafforscher machen deutlich, wie fliessend die Übergänge zwischen einzelnen Bewußtseinszuständen sind und was für ein beunruhigendes Doppelleben ein jeder von uns in der Nacht führt. Dank der mitwirkenden Schlafforscher zeigt der Film auch beeindruckendes und seltenes Archivmaterial der Infrarot-Überwachungskameras in den Schlaflaboren - in dieser Fülle bisher einmalig im Fernsehen.

Der Film geht auch den zahlreichen kulturhistorischn Bezügen des Themas nach. Sind moderne Mythen wie die Werwolf-Saga oder Dr.Jekyll/Mr. Hyde von Schlafwandlern inspiriert worden? Wie haben sich Künstler und Schriftsteller vom Phänomen beeinflussen lassen? In früheren Jahrhunderten hatte man für ein extremes Verhalten wie das Schlafwandeln auch extreme Erklärungen parat. Entweder hatte der Teufel von dem armen Menschenleib Besitz ergriffen oder es war göttliche Erleuchtung. Die unkontrollierten Ausbrüche des Unterbewußten weckten Begehrlichkeiten beim Menschen. In vielen Kulturen gehörte die Trance, eine Art künstlich herbeigeführtes Schlafwandeln, zum religiösen Ritual. Dabei erleben wir im Alltag schon viel mehr Trance, als uns bewußt ist. Im 20. Jahrhundert stürzten sich dann Psychoanalytiker, Hypnotiseure und Surrealisten auf diesen Grenzbereich von Bewußtem und Unbewußtem. Viele verknüpften mit dem Zugriff auf das Unbewußte die Hoffnung, Zugang zu einer wie auch immer gearteten Wahrheit des Menschen zu bekommen.

(Pressetext ARTE)

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